SS 2016 -  PROF. ANDREAS DENK / PROF. PAUL BÖHM

Aufgabe war es auf einem Baufeld des städtebaulichen Entwurf des ersten Semesters einen Hochbauentwurf zu planen. Bereits in der Erarbeitung des städtebaulichen Entwurfs kristallisierte sich heraus, dass das Thema eines Hybriden sowohl alle Studenten als auch die Professoren anspricht. Jeder studieren konnte sich sein Baufeld und die zu implementierenden Nutzungen in Rücksprache mit den Professoren selber aussuchen.
Ausschlaggebend für diesen Entwurf war das Thema eines Schulbaus. Davon ausgehend wurde ein Baufeld mit Nähe zum Wasser und den Wiesen ausgesucht und dazu passende Nutzungen gesucht. Herausgekommen ist ein Baukörper, der wie eine kleine Stadt funktionieren soll: eine Schule, altersgerechte Wohnungen und business Wohnen unter einem Dach direkt am Wasser in der Duisburger Altstadt.
herman hertzberger
"Für mich ist das ideale Gebäude wie eine Stadt. […], ein Haus […] muss wie eine Stadt sein, nicht nur mit vielen Räumen, sondern auch im Gebrauch. Für mich ist ein Haus eine Mikrogesellschaft. Es sind viele Menschen, die sich miteinander auseinandersetzen müssen."

konzept
Der Gedanke eines städtischen Gefüges dient als Leitfaden des Entwurfs. Die Stadt ist polyzentrisch eingerichtet. Die verschiedenen Elemente wachsen zu einem Stadtkörper zusammen, indem eigene Nutzungen für sich stehen, aber immer wieder ineinander greifen. So befindet sich im Erdgeschoss, sowie im ersten Obergeschoss eine dreigliedrige Grundschule. In den darüberliegenden Geschossen ordnen sich altersgerecht ausgebildete Wohnungen, sowie Businesswohnungen, mit den jeweils dazugehörigen Nebenräume, an.
Somit entsteht eine Mischnutzung, in welcher Menschen unterschiedlichsten Alters einander zuwachsen. Als Verbindungselemente steht ein Querriegel, der den Innenhof separiert. Die einzelnen Strukturen des Komplexes sind räumlich und strukturell wahrnehmbar, bewahren aber trotzdem gemeinsame Zentren, in denen ein Austausch stattfindet.
nutzung
Die Schule selbst positioniert sich, ähnlich einem massiven Sockel, introvertiert durch ein Gittermauerwerk. Nur der Eingang hebt sich an der Südfassade durch einen Betonrahmen ab, durch welchen er deutlich markiert wird. Im zweigeschossigen Foyer fällt der Blick zuerst auf den begrünten Westhof. Zur linken Hand befindet sich der Verwaltungstrakt und die Sporthalle der Schule, rechts ordnen sich am Schulhof die Klassenräume an. Sie öffnen sich durch Fenster in einer vor- und zurückspringenden Wandstruktur zum Schulfhof. Durch ihre Form erhält sie eine Doppelfunktion. Flurseitige Sitznischen erfüllen in Richtung der Klassenzimmer eine Regalfunktion. Jeweils drei Klassenräume fügen sich mit dazwischenliegenden Gemeinschaftsräumen zu einer Stufe zusammen. Dieses System wiederholt sich im ersten Obergeschoss.
Im zweiten bis fünftem Obergeschoss stehen sich zwei unterschiedliche Wohnungstypen gegenüber. So befinden sich im nördlichen Riegel hotelartige Wohnungen, welche durch erhöhte Mietpreise den Bewohnern einen Rundumservice, bestehend aus Putz-, Waschdienst und Concierge, bieten können. Dem gegenüber, in den restlichen Teilen der vier oberen Geschosse, sind altersgerechte Wohnungen vorzufinden. Eine Schwesternstation auf jedem Geschoss fundiert die Gesundheit und Sicherheit aller Bewohner.
gemeinschaft
Aber was definiert einen Hybriden? Abgeleitet vom griechischen hýbris, Übermut, Anmaßung, über das lateinische hybrida, Frevelkind, Bastard, Mischling, ist der Begriff in seiner eigentlichen Bedeutung eher negativ behaftet. In unserer heutigen Gesellschaft ist die Durchmischung sozialer Strukturen jedoch nicht nur alles andere als ungewöhnlich. Nein - sie ist sogar erwünscht. Durch das Gegenteil - die Gentrifizierung - separieren sich ganze Stadtteile. Dieser sozioökonomische Strukturwandel bestimmter großstädtischer Viertel fördert die Disparität sozialer Strukturen und teilt die Gesellschaft in Schichten. Als Konträr steht die Gebäudeform des Hybriden. Verschiedene Parteien mit unterschiedlichen Bedürfnissen teilen sich einen Baukörper, welcher immer wieder Überschneidungspunkte der einzelnen Nutzungen anbietet.
Diese Orte der Zusammenkunft finden sich im tertium partitio hauptsächlich im Querriegel, welcher eine Mensa, eine Mediathek und mehrere Gemeinschafträume beinhaltet. Außerdem bilden der vom Schulhof getrennte Gemeinschaftsgarten im Westhof und die Terrassen im ersten Obergeschoss weitere Berührungspunkte.